Fokus: Apothekenhonorierung

Wie setzt sich das Apothekenhonorar zusammen?

Das Bild zeigt eine Apothekerin bei der Beratung einer Kundin.

1. Vergütung der Apotheken für verschreibungspflichtige Fertigarzneimittel

Die Vergütung der Apotheken ist in der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) geregelt. Diese wird vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Gesundheit festgelegt. Danach erhalten Apotheken pro abgegebener Packung eines verschreibungspflichtigen Fertigarzneimittels:

  • drei Prozent vom Apothekeneinkaufspreis und
  • einen Fixzuschlag in Höhe von derzeit 8,35 Euro und
  • einen Betrag in Höhe von derzeit 0,16 Euro, der von der Apotheke an den sogenannten Nacht- und Notdienstfonds weitergeleitet wird. Aus diesem Fonds erhalten nacht- und notdienstleistende Apotheken eine Pauschale. Die Höhe der Pauschale schwankt quartalsweise, da das Finanzvolumen des Fonds abhängig von der gesamten Anzahl abgegebener Fertigarzneimittelpackungen ist. Für das zweite Quartal 2017 wurde beispielsweise eine Pauschale in Höhe von 273,96 Euro ausgezahlt.

Apothekenabschlag

Die gesetzlichen Krankenkassen erhalten pro abgegebener verschreibungspflichtiger Fertigarzneimittelpackung einen Rabatt (Apothekenabschlag), der mit dem geplanten Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz) mit Wirkung zum 01. Januar 2016 dauerhaft auf 1,77 Euro gesetzlich festgeschrieben wurde.

Der Apothekenabschlag ist eine Kombination aus GKV-Skonto und Großkundenrabatt.

  • Großkundenrabatt: Wie auch in anderen Bereichen üblich bekommen die wichtigsten „Kunden“ einen Preisnachlass, den sogenannten Großkundenrabatt. Diese Regelung gibt es im Kern seit 1931.
  • Skonto: Den Großkundenrabatt erhalten die Kassen von den Apothekern unter der Voraussetzung, dass sie die Apothekenrechnung innerhalb von 10 Tagen bezahlen.

Beispiele für die Apothekenhonorierung

GLIVEC 400 mg 90 Filmtabletten (Krebs, Leukämie),

Apothekeneinkaufspreis 8.239,45 Euro; Apothekenverkaufspreis (AVP) 10.109,22 Euro

Die Apotheken erhalten pro abgegebene Packung eine prozentuale Vergütung von drei Prozent auf den Apothekeneinkaufspreis sowie einen Fixzuschlag von 8,51 Euro pro Packung (jeweils zzgl. Umsatzsteuer). Den Krankenkassen ist ein Apothekenabschlag von 1,77 Euro (inkl. Umsatzsteuer) pro Packung zu gewähren. Somit verbleiben pro Packung 254,04 Euro bei der abgebenden Apotheke (Stand: Dezember 2017).

Berodual N Dosieraerosol 3 x 10 ml. Euro (Asthma-Spray),

Apothekeneinkaufspreis 52,81 Euro; Apothekenverkaufspreis (AVP) 74,85 Euro

Die Apotheken erhalten pro abgegebene Packung eine prozentuale Vergütung von drei Prozent auf den Apothekeneinkaufspreis sowie einen Fixzuschlag von 8,51 Euro pro Packung (jeweils zzgl. Umsatzsteuer). Den Krankenkassen ist ein Apothekenabschlag von 1,77 Euro zu gewähren. Somit verbleiben pro Packung 8,44 Euro bei der abgebenden Apotheke (Stand: Dezember 2017).

2. Vergütung der Apotheken für Rezepturen

Unter Rezepturen versteht man z. B. Salben, Lösungen, Kapseln oder Zäpfchen, die im Gegensatz zu industriell produzierten Fertigarzneimitteln direkt in der Apotheke hergestellt werden. Auch sie werden nach den Vorgaben der AMPreisV vergütet. Danach erhalten Apotheken bei Abgabe einer Zubereitung:

  • einen Festzuschlag von 90 Prozent auf die Apothekeneinkaufspreise (ohne Umsatzsteuer) für Stoffe und erforderliche Verpackungen,
  • einen Rezepturzuschlag (differiert nach Menge des/der verwendeten Stoffse zwischen 3,50 und 8 Euro),
  • einen Fixzuschlag in Höhe von derzeit 8,35 Euro

Der Apothekenabschlag (nach § 130 SGB V), also der sogenannte Großkundenrabatt für gesetzliche Krankenkassen von 1,77 Euro, kommt auch bei Rezepturen zum Tragen. Bei der Abgabe eines Stoffes, der in Apotheken in unverändertem Zustand umgefüllt, abgefüllt, abgepackt oder gekennzeichnet wird, erhält die Apotheke einen Festzuschlag von 100 Prozent auf die Apothekeneinkaufspreise (ohne Umsatzsteuer) für den Stoff und erforderliche Verpackungen. Der Apothekenabschlag (nach § 130 SGB V) beträgt dann 5 Prozent des Apothekenverkaufspreises.

Beispiele für die Apothekenhonorierung

Rezeptur mit 100g Cannabisblüten

Apothekeneinkaufspreis 8,50 Euro/g; Apothekenverkaufspreis (AVP) bei 100 g 1.940,37 Euro

Bei der Verordnung von Cannabisblüten als Rezeptur, müssen die Cannabisblüten zuvor in der Apotheke gemahlen, gesiebt und abgepackt werden. Sie gelten dann als Rezepturarzneimittel und müssen entsprechend § 5 AmPreisV abgerechnet werden. Die Apotheken erhalten ein Festzuschlag von 90 Prozent auf die Apothekeneinkaufspreise für Stoffe und erforderliche Verpackung, ein Rezepturzuschlag von 6,00 Euro und einen Festzuschlag von 8,35 Euro für Zubereitungen (jeweils zzgl. Umsatzsteuer). Da es sich bei dieser Rezeptur um ein Betäubungsmittel handelt, bekommt die Apotheke zusätzlich 2,91 Euro Dokumentationsgebühr. Den Krankenkassen ist ein Apothekenabschlag von 1,77 Euro (inkl. Umsatzsteuer) pro Rezeptur zu gewähren. Somit verbleiben für diese Rezeptur 781,07 Euro bei der abgebenden Apotheke (Stand: Dezember 2017).

Unverarbeitete Abgabe von 100g Flohsamen

Apothekeneinkaufspreis 2,45 Euro/100g; Apothekenverkaufspreis (AVP) bei 100 g 5,95 Euro

Die Apotheken erhalten ein Festzuschlag von 100 Prozent auf die Apothekeneinkaufspreise für Stoffe und erforderliche Verpackung (jeweils zzgl. Umsatzsteuer). Den Krankenkassen ist ein Apothekenabschlag von 5 Prozent auf den Apothekenverkaufspreis zu gewähren (Stand: Dezember 2017).

Traditionelles Apothekensystem modernisieren

Das traditionelle Apothekensystem und die Vergütung gehören in der aktuellen Legislaturperiode auf den Prüfstand. Das Fremd- und Mehrbesitzverbot ist aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes lange überholt. Es kommt auf die Qualität der Arzneimittelversorgung und der Beratung an und nicht, wie viele Apotheken jemand besitzt. Die Apothekerschaft muss sich den Anforderungen an ein modernes Gesundheitswesens stellen. Dazu gehört auch, den Versandhandel als Teil einer zeitgemäßen Arzneimittelversorgung anzuerkennen. Ein Gutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums stellte außerdem Ende 2017 fest, dass die Apotheker jährlich rund 1,1 Milliarden Euro mehr verdienen als eigentlich angemessen wäre und es eine Ungleichverteilung zwischen Stadt und Land gibt. Auch darüber muss gesprochen werden. Gemeinsam mit den Apothekern sollten jene Apotheken identifiziert werden, denen es schlecht geht und die zugleich für die Versorgung gebraucht werden. Anschließend muss es eine Umverteilung geben.

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