Nach knapp einem Jahr im Amt sprach Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes im Podcast G+G-Kassentreffen unter anderem über die Faszination der GKV, deren Tragfähigkeit, die anstehenden Reformnotwendigkeiten und die Wichtigkeit von Prävention.
Angetreten sei er mit großem Respekt vor der Aufgabe und der Verantwortung für mehr als 75 Millionen gesetzlich Versicherte. „Mein erster Gedanke war, die finanzielle Schieflage erst mal vom Tisch zu bekommen, um wieder Gestaltungsräume erschließen zu können“, so Blatt. Er wolle den Versicherten am Ende sagen können, dass nicht immer alles teurer werde.
An der Tragfähigkeit der GKV zweifelt Blatt nicht: „Ich glaube schon, dass unser Gesundheitssystem Potenzial hat.“ Immerhin stünden im laufenden Jahr 369,5 Milliarden Euro für die Versorgung und Gesundheit der Menschen zur Verfügung. Deshalb müsse der Fokus darauf liegen, „das vorhandene Geld, was wir haben, besser einzusetzen“, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Strukturreformen „entgegen allen Partikularinteressen“ durch- und umzusetzen. Ganz deutlich ausgedrückt: „Wir müssen jetzt den Hintern hochkriegen“, so Blatt.
Wie notwendig Strukturreformen sind, dokumentieren die vorläufigen Finanzergebnisse der GKV für 2025 - trotz eines Überschusses von 3,5 Milliarden Euro. Wie bereits 2024 sind die Ausgaben (plus 7,8 Prozent) stärker gestiegen als die Einnahmen (plus 5,3 Prozent). 3,5 Milliarden Euro seien auch viel Geld, räumt Blatt ein. Aber wegen des strukturellen Defizits zwischen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung und trotz zum Teil massiv erhöhten Zusatzbeiträgen seien die Kassen auch 2025 noch nicht in der Lage gewesen, ihre Finanzreserven, die sie in den vergangenen Jahren – gesetzlich verordnet – abschmelzen mussten, wieder auf das vorgeschriebene Niveau zu bringen.
Menschen erst gar nicht krank werden lassen
Das Thema Prävention ist dem Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes besonders wichtig. Die Folgekosten des Konsums von Alkohol, Tabak und falscher Ernährung gingen schließlich in die Milliarden. „Der Gedanke, dass wir mehr hinschauen müssen, wie wir bei uns in Deutschland Menschen erst gar nicht krank werden lassen, lohnt sich schon“, so Blatt. „Wenn wir da besser würden, hätten wir einen Riesen-Effizienzgewinn auch für das Gesundheitssystem“, erklärt er weiter. Beim zurzeit viel diskutierten Aspekt Eigenverantwortung betont er, dass Eigenverantwortung nicht immer sofort mit finanziellen Hürden für die Versicherten gleichzusetzen sei. Vielmehr ginge es ihm bei Eigenverantwortung darum, die Menschen zu befähigen und für sie die Rahmenbedingungen leichter zu machen, damit sie gesund leben.
Darüber hinaus spricht Oliver Blatt im G+G-Podcast auch z. B. über den aktuellen Stand der Reformagenda, seine Erwartungen an den wieder aufgenommenen Pharmadialog und erläutert, warum hohe Arzneimittelpreise nicht zwingend den Pharma-Standort Deutschland sichern, und warum gute Gesundheitspolitik und -versorgung die Demokratie stärken.