Fokus: Ambulante Psychotherapie

Ein junger Mann sitzt auf einer Bank und stützt den Kopf mit einer Hand.

Die Versorgung mit psychotherapeutischen Leistungen für GKV-Versicherte in Deutschland nimmt im internationalen Vergleich hinsichtlich des Umfangs der Versorgung und der Dichte an Psychotherapeuten in der Fläche eine Spitzenposition ein. In anderen Ländern müssen Patienten in der Regel ihre psychotherapeutische Behandlung aus eigener Tasche bezahlen. Eine vergleichbare Kostenübernahme wie in Deutschland gibt es in keinem anderen Land.

Anders als in der privaten Krankenversicherung gehört bei allen gesetzlichen Krankenkassen die Psychotherapie selbstverständlich zum Leistungsspektrum. Auch ist eine vorhandene psychische Diagnose kein Ausschlusskriterium zur Aufnahme in die GKV. Das Solidarsystem der gesetzlichen Krankenversicherung kennt keine Gesundheitsprüfung als Bedingung für die Aufnahme in eine Krankenkasse. Mit einem Honorar von 89,60 Euro pro Therapiesitzung (50 Therapieminuten und 10 Minuten Vor- bzw. Nachbereitungszeit) werden die Therapeuten von den gesetzlichen Krankenkassen gut vergütet.

Das aktuelle Gutachten zur Bedarfsgerechten Steuerung der Gesundheitsversorgung des Sachverständigenrates (SVR) belegt das hohe Versorgungsniveau in der ambulanten Psychotherapie. Es weist den fortlaufenden Zuwachs insbesondere der psychologischen Psychotherapeuten (psych. PT) auf. In den Jahren 2000 (13.496) bis 2016 (23.812) betrug der Anstieg nicht weniger als 76 Prozent! Diese Zahlen zeigen einen Ausschnitt aus dem Versorgungsbereich der GKV-Versicherten in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung. Zusätzlich zu den psychologischen Psychotherapeuten führen auch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Ärztliche Psychotherapeuten Richtlinientherapien im ambulanten Bereich durch. Ebenso gibt es insbesondere in den Neuen Bundesländern die psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA), in denen auf Grundlage von § 118 SGB V Patienten ambulant behandelt werden.

In der Psychotherapie-Richtlinie regelt der G-BA das Nähere über die psychotherapeutisch behandlungsbedürftigen Krankheiten, die zur Krankenbehandlung geeigneten Verfahren, das Antrags- und Gutachterverfahren, die probatorischen Sitzungen sowie über Art, Umfang und Durchführung der Behandlung. Die Richtlinie dient zudem als Grundlage für Vereinbarungen, die zur Durchführung von Psychotherapie in der vertragsärztlichen Versorgung zwischen den Vertragspartnern abzuschließen sind.

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) erhielt der G-BA den Auftrag, bis zum 30. Juni 2016 das ambulante Psychotherapie-Angebot flexibler zu regeln und eine entsprechende Strukturreform zu beschließen.

Zum 1. April 2017 traten diverse Neuerungen und Erleichterungen für Versicherte und Psychotherapeuten in Kraft, so zum Beispiel:

  • 200 Minuten wöchentliche telefonische Erreichbarkeit von Psychotherapeuten (bei vollem Versorgungsauftrag, sonst hälftig),
  • die psychotherapeutische Sprechstunde,
  • die psychotherapeutische Akutbehandlung,
  • Maßnahmen zur Vermeidung von Rückfällen (Rezidivprophylaxe)
  • Förderung von Gruppentherapien,
  • vereinfachte Anzeige- und Antragsverfahren gegenüber den Krankenkassen.

Außerdem vermitteln nun auch die Terminservicestellen - innerhalb von vier Wochen nach Erstkontakt - einen Termin beim Psychotherapeuten. Das gilt für die psychotherapeutische Sprechstunde, die psychotherapeutische Akutbehandlung und auch die probatorische Sitzung als Voraussetzung für den Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung.

Es ist sehr ärgerlich und nicht im Sinne der GKV, dass Patienten lange auf einen Termin bei einem Therapeuten warten müssen. Dank der Richtlinienreform mit den zusätzlichen Angeboten und der stärkeren Verpflichtung der Terminservicestellen haben die Versicherten nun einen verbrieften Anspruch darauf, innerhalb von vier Wochen nach Erstkontakt einen Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde, die psychotherapeutische Akutbehandlung und auch die probatorische Sitzung als Voraussetzung für den Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung zu erhalten. Es ist die gesetzliche Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen, dies auch ganz praktisch sicherzustellen.

Welche psychotherapeutischen Angebote erhalten gesetzlich Versicherte?

Ohne Überweisung haben Versicherte Zugang zur

  • Psychotherapeutischen Sprechstunde - zeitnaher niedrigschwelliger Erstkontakt zur Abklärung der Diagnose und weiteren Hilfeangeboten
  • Probatorischen Sitzung - Vorgespräche zur weiteren diagnostischen Klärung des Krankheitsbildes, gegenseitiges Kennenlernen

Daran anschließen können sich:

  • Psychotherapeutische Akutbehandlung
  • Psychotherapeutisches Gespräch
  • Kurzzeittherapie
  • Langzeittherapie
  • Rezidivprophylaxe

Für gesetzlich Versicherte stehen drei anerkannte Psychotherapieverfahren im Sinne der G-BA-Richtlinie zur Verfügung (sogenannte Richtlinientherapeutische Verfahren): Analytische Psychotherapie (AP), Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) und Verhaltenstherapie (VT). Ihnen liegt ein umfassendes Therapiesystem der Krankheitsentstehung zugrunde und ihre spezifischen Behandlungsmethoden sind in ihrer therapeutischen Wirksamkeit belegt.

Dokumente und Links

Presse-Abo

Melden Sie sich an und erhalten Sie unsere Pressemitteilungen regelmäßig per E-Mail.