Erklärungsfaktoren für die Entwicklung der Pflegeprävalenzen seit 2017 sowie Bestandsaufnahme zu möglichen Weiterentwicklungsbedarfen des Begutachtungsinstruments

Auftragnehmer

IGES Institut GmbH
Hans-Dieter Nolting, Dr. Julia K. Wolff
Friedrichstr. 180
10117 Berlin

Laufzeit

30.07.2025 – 31.03.2026

Hintergrund und Ziele

Der GKV-Spitzenverband hat im Jahr 2025 eine Studie an das IGES Institut vergeben, mit der die Entwicklung der Zahl der Menschen, die Leistungen der Pflegeversicherung beziehen, wissenschaftlich untersucht wurde. Ziel der Studie war es, die Dynamiken und Erfahrungen bei der Entwicklung von Pflegebedürftigkeit seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes und der damit einhergehenden neuen Pflegebegutachtung im Jahr 2017 zu evaluieren. Das betrifft insbesondere den beobachteten starken Anstieg der Zahl der Leistungsbeziehenden und dessen Ursachen. Die Ergebnisse sollen auch bei einer möglichen Weiterentwicklung des Begutachtungsinstruments genutzt werden.

Die Studie hat neben den Auswirkungen der Pflegereform von 2017 auch andere mögliche Einflüsse auf die Ergebnisse der Begutachtungen bzw. die Anzahl von Leistungsbeziehenden betrachtet (zum Beispiel regionale Faktoren, sozioökonomische Ursachen, Generationseffekte/gesellschaftlicher Wandel, veränderte familiäre Unterstützungsstrukturen, gesteigertes Informationsangebot, Angebotsstrukturen). Ergänzend wurden Datenanalysen durch den GKV Spitzenverband und den Medizinischen Dienst Bund beigesteuert. Mittels Experteninterviews mit Begutachtenden der Prüfdienste und Fokusgruppen mit Pflegekassen, Leistungserbringerverbänden und Betroffenenvertretungen wurden deren fachliche Einschätzungen und Erfahrungen eingeholt.

Ergebnisauswahl

  • Das 2017 neu eingeführte Begutachtungsinstrument zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit hat sich zwar bewährt, aber gleichzeitig zu starken Verschiebungen im Zugang zu Pflegeleistungen geführt. Die Zahl der gesetzlich Versicherten, die einen Erstantrag auf Pflegeleistungen gestellt haben, ist in den Jahren seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs um ein Viertel (25,9 Prozent) gestiegen.
  • Im Ergebnis haben deutlich mehr Personen Leistungen der sozialen Pflegeversicherung in Anspruch genommen, als damals prognostiziert worden war. Der Anteil der Pflegebedürftigen an den gesetzlich Versicherten ist von 2017 bis 2024 von 4,6 Prozent auf 7,6 Prozent gestiegen. Der Anstieg gründet jedoch nicht in der Alterung der Gesellschaft.
  • Die Hauptursache der seit 2017 stark gestiegenen Zahl von Leistungsbeziehenden ist eine vermehrte Beantragung von Pflegeleistungen durch im Durchschnitt jüngere und weniger stark beeinträchtigte Personen. Über drei Viertel (76,5 Prozent) der über 18-jährigen Antragstellenden erhalten im ambulanten Kontext einen niedrigen Pflegegrad (PG1 oder PG2) und bleiben dementsprechend lange im System. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine bessere Bekanntheit der Pflegeversicherung und fortschreitende Entstigmatisierung von Pflegebedürftigkeit wichtige Faktoren sind, die zu einem Anstieg der Anträge auf Leistungen der Pflegeversicherung geführt haben.

Weitere Befunde finden sich in dem Abschlussbericht, der hier zum Download zur Verfügung steht.

Dokumente und Links