Die Ausgaben für Arzneimittel steigen und steigen. „Das ist inzwischen nach den Krankenhäusern der zweitgrößte Kostenblock. Die Ausgaben für neue Medikamente haben sich in zwölf Jahren verdoppelt“, sagte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes der Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ).
Die hohen Preise für Arzneimittel werden immer wieder damit begründet, den Standort Deutschland für die Pharmaindustrie attraktiv zu halten. Aber es sei möglich, die Preise zu drücken, ohne die Unternehmen aus Deutschland zu vertreiben, so Blatt in der NOZ. „Es ist Quatsch zu behaupten, dass hohe Preise dafür sorgen würden, dass mehr in Deutschland produziert wird. Denn die Preise kann man auch nehmen, wenn in China oder Indien produziert wird. Das erleben wir bereits“, stellt Blatt fest.
Keine Wirtschaftspolitik auf Kosten der Beitragszahlenden
Oliver Blatt wehrt sich strikt dagegen, Standortpolitik aus Beitragsmitteln zu finanzieren. Es möge ja wirtschaftspolitisch gute Gründe für so eine Standortpolitik geben, so Blatt in der NOZ. „Aber doch bitte nicht über die Preise und damit auf Kosten der Beitragszahlenden!“ Bereits jetzt seien die Arzneimittelpreise bei uns schon die höchsten hinter denen der USA. Und dann richtet Blatt seinen Blick zur Politik: „Wenn es darum geht, daran etwas zu ändern, war die Politik bislang zu zaghaft.“ Denn insbesondere bei neuen Arzneimitteln steigen die Preise besonders stark, auch wenn der größere Nutzen noch nicht erwiesen ist. Blatt stellt weiter fest, dass bei neuen Medikamenten die täglichen Kosten pro Patient seit 2012 um 180 Prozent gestiegen seien „Das alles spricht dafür, die Pharmabranche bei den im gesamten Gesundheitssystem notwendigen Einsparungen zu beteiligen. Und das ist möglich, ohne die Industrie zu vertreiben“, so Blatt.
Höhere Preise führen nicht zu einer besseren Versorgungslage
Auch zu Lieferengpässen äußert sich Blatt in der NOZ. „Noch höhere Preise führen nicht zu einer noch besseren Versorgungslage. Außerdem handelt es sich fast immer um Lieferengpässe, die dann durch andere Medikamente ausgeglichen werden. Die Versorgung ist also gewährleistet“, so Blatt. In Deutschland gebe einen echten Spitzenwert. Schon 52 Tage nach Erstzulassung seien neue Mittel allen 75 Millionen gesetzlich Versicherten zugänglich. „Der Markt ist gut ausfinanziert. Am Geld mangelt es nicht, im Gegenteil“, so das Fazit von Blatt.