Fokus: Primärversorgungssystem

Das Primärversorgungssystem hat das Potential, ein zentrales Instrument einer modernen Gesundheitsversorgung zum Wohle der 75 Millionen gesetzlich Versicherten zu werden. Eine erfolgreiche digital gestützte Primärversorgung verbindet drei Bausteine zu einem digitalen Versorgungspfad: die elektronische Ersteinschätzung, die elektronische Überweisung und die elektronische Terminvermittlung.

Eine junge Frau in einem OP-Oberteil sitzt vor einem Arzt, der ihr etwas erklärt.

Ein modernes Gesundheitssystem muss sich am medizinischen Bedarf der Patientinnen und Patienten im 21. Jahrhundert orientieren. Das Primärversorgungssystem hat diese Möglichkeiten. Es ist ein zentrales Instrument, mit dem die Gesundheitsversorgung zum Wohle der 75 Millionen gesetzlich Versicherten modernisiert werden kann. Effizienzreserven sollen gehoben werden und ein bedarfsgerechter Zugang zur Versorgung soll gemeinsam mit der Ärzteschaft sichergestellt werden – egal ob jemand privat oder gesetzlich versichert ist. Medizinisches Fachpersonal muss stärker in die Versorgung eingebunden werden. Ein interdisziplinäres Team, das die Stärken aller Beteiligten nutzt, entlastet nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern führt auch dazu, dass Patientinnen und Patienten schneller und effizienter behandelt werden.

„Damit GKV-Versicherte künftig bedarfsorientiert und im akuten Fall schnell behandelt werden, wollen wir mit der digital gestützten Primärversorgung langfristig den Zugang zur Versorgung verbessern. Aktuell haben Patientinnen und Patienten – trotz steigender Beiträge – teilweise lange Wartezeiten in der ambulanten Versorgung. Mit der digital gestützten Primärversorgung können wir die Strukturen der ambulanten Versorgung für GKV-Versicherte grundlegend reformieren. Uns ist wichtig, dass unsere Versicherten im akuten Fall schneller als heute einen Arzttermin bekommen.“

Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes

In einem modernen Primärversorgungssystem sind die primärversorgenden Praxen in Verbindung mit der Nutzung des Navigationstools erste Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten und tragen die Verantwortung für die Steuerung der Versorgung. Digitale Tools unterstützen die Praxen und ermöglichen so eine effektive Steuerung der Versorgung. Neben den notwendigen Strukturen für primärversorgende Praxen sind digitale Versorgungsprozesse essenziell, um eine effiziente und zielgerichtete Versorgung der Versicherten sicherzustellen. Sie bilden die Grundlage für mehr Transparenz über den aktuellen Behandlungsstand, verbessern den Informationsfluss zwischen den beteiligten Leistungserbringenden und verkürzen Wartezeiten durch effiziente Terminvergabe. Zur Umsetzung dieser Ziele sind neben den schon bestehenden zentralen Anwendungen der Telematikinfrastruktur drei neue Module entscheidend:

  1. Ein digitales Navigationstool schätzt die Behandlungsnotwendigkeit ein und leitet die Versicherten zielgerichtet in und durch das Gesundheitssystem.
  2. Die elektronische Überweisung (eÜberweisung) verbessert den Informationsfluss über den aktuellen Behandlungsstand zwischen Leistungserbringenden und minimiert Fehlerquellen.
  3. Die elektronische Terminvermittlung (eTerminvermittlung) ermöglicht – abhängig von der medizinischen Dringlichkeit – eine schnellere Terminvergabe und reduziert Wartezeiten.

Die Verknüpfung von digitalem Navigationstool, elektronischer Überweisung und elektronischer Terminvermittlung ermöglicht einen automatisierten Terminvermittlungsprozess. So entsteht ein digitaler Versorgungspfad, der Versicherte vom ersten Anliegen bis hin zur abgeschlossenen Behandlung begleitet und unterstützt.

Maßnahmen und Regelungsbedarf zur Umsetzung

Strukturierter Zugang zur Versorgung

Bei einem neuen Behandlungsanlass erfolgt der Zugang zum Versorgungssystem über das Navigationstool, das eine strukturierte Einschätzung des Behandlungsbedarfs und dessen Dringlichkeit umfasst. Das Navigationstool schätzt sowohl bei eigenständiger Nutzung durch Versicherte als auch bei der Anwendung in der Praxis den Behandlungsbedarf ein. Auf Grundlage dieser Einschätzung werden die Versicherten zielgerichtet in die richtige Versorgungsebene, zum Beispiel in eine primärversorgende Praxis oder gegebenenfalls in eine fachärztliche Praxis oder auch in eine Notaufnahme weitergeleitet.

Strukturelle Weiterentwicklungen der Primärversorgungseinheiten

Ziel der Strukturanpassung ist eine finanzneutrale Etablierung größerer primärversorgender Einheiten mit klarem Fokus auf einer interprofessionellen Versorgung.

Koordinierte Inanspruchnahme der fachärztlichen Versorgung

Die Inanspruchnahme der fachärztlichen Versorgung erfolgt in der Regel ausschließlich auf Überweisung durch die primärversorgende Praxis oder durch das digitale Navigationstool, wenn ein eindeutiger fachärztlicher Behandlungsbedarf erkannt wurde. Bei einem dauerhaften fachärztlichen Mitbehandlungsbedarf werden Dauerüberweisungen ausgestellt, um unnötige Arztkontakte zu vermeiden, z. B. bei der Behandlung schwerer Herzkrankheiten durch eine primärversorgende Praxis und eine kardiologische Praxis.

Navigationstool

Das Navigationstool muss sowohl Versicherten als auch Leistungserbringenden einen spürbaren Mehrwert in der Versorgung bieten. Es muss Versicherten und der Ärzteschaft zunehmend Anreize bieten, damit es in den richtigen Konstellationen genutzt wird, beispielsweise bei Unsicherheit über die Behandlungsnotwendigkeit.

eÜberweisung

Die eÜberweisung ersetzt künftig die bisherigen Überweisungen und wird zum neuen Standard. Die technische Umsetzung des Überweisungsprozesses erfolgt durch die Gematik.

eTerminvermittlung

Die eÜberweisung ersetzt künftig die bisherigen Überweisungen und wird zum neuen Standard. Die technische Umsetzung des Überweisungsprozesses erfolgt durch die Gematik.

Fazit: Nutzen einer digital gestützten Primärversorgung

Transparenz im Behandlungsverlauf

Der digitale Versorgungspfad sorgt für einen klaren Überblick über den aktuellen Stand der Behandlung und verbessert den Informationsfluss durch die Integration der ePA.

Effiziente Versorgungssteuerung

Auch ohne erneute Vorstellung können Verordnungen, Überweisungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen elektronisch ausgestellt werden. Dies entlastet Praxen sowie Patientinnen und Patienten und beschleunigt die Behandlung.

Mehr Zeit für die Primärversorgung

Digitale Tools ermöglichen perspektivisch die abschließende Durchführung definierter Versorgungsprozesse. Praxen gewinnen dadurch mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung und die Steuerung komplexer Fälle.

Fehlerfreie und zielgerichtete Überweisungen

Elektronische Überweisungen werden direkt aus dem PVS erstellt. Die strukturierte Datenübermittlung ermöglicht eine passgenaue und effiziente Terminplanung und reduziert Fehlerquellen. Auch der Informationsfluss zurück zum Überweisenden über den Behandlungsfortschritt und das Ergebnis ist sichergestellt.

Bessere Orientierung für Versicherte

Versicherte profitieren von besserer Orientierung im System und einer Stärkung der Gesundheitskompetenz durch individuell aufbereitete Gesundheitsinformationen.

Schnelle und richtige Termine

Automatisierte Verfahren vereinfachen die Terminbuchung bei den richtigen Leistungserbringenden und reduzieren den administrativen Aufwand sowie unnötige Wartezeiten. Erinnerungsfunktionen und flexible Terminänderungen minimieren Ausfälle.

Zentrale Plattform für Versicherte

Die Krankenkassen-App wird zum digitalen Versorgungszentrum für Versicherte. Die ePA wird durch die direkte Einbindung in Versorgungsprozesse gestärkt und als zentrale Plattform eines digitalen Versorgungsökosystems etabliert.

Dokumente und Links