Im Interview mit der Fachzeitschrift CAREkonkret wies Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, auf die prekäre Finanzsituation der Pflegeversicherung hin: „Die Pflegeversicherung lebt aktuell auf Pump und ist mittlerweile mit Darlehen des Bundes in Höhe von 4,2 Milliarden Euro belastet. Für dieses Jahr kann damit zwar annähernd das Defizit abgedeckt werden, aber was passiert danach?“
Darlehen seien keine tragfähige Lösung für die Probleme der Pflegeversicherung, wie Blatt weiter erläuterte: „Bei einer derart auf Kante genähten Finanzierung könnte es passieren, dass einzelne Pflegekassen Liquiditätshilfen benötigen. Aber da muss sich kein Pflegebedürftiger Sorgen machen, weil es dafür mit dem Ausgleichsfonds und dem Finanzausgleich zwischen der Pflegekassen ein geregeltes Verfahren gibt. Aber allein die Frage, ob Pflegekassen insolvent gehen können, zeigt doch deutlich, wie stark der Reformbedarf ist. Hier brauchen wir endlich politische Entscheidungen“, so Blatt im Interview mit CAREkonkret.
Das Dilemma der steigenden Belastungen der Pflegeheimbewohnenden
Mit Blick auf die Pflegenden betonte Blatt in dem Interview: „Die Refinanzierung der tariflichen Gehälter über die Pflegevergütungen und Pflegesätze ist gesetzlich geregelt und bleibt weiterhin gesichert. Aber es bereitet uns immer mehr Sorge, dass durch die steigenden Löhne auch die Eigenanteile für die Pflegebedürftigen durch die Decke gehen. Nach unseren Schätzungen werden die aktuellen Lohnsteigerungen die pflegebedingten Eigenanteile in der vollstationären Pflege im Durchschnitt um rund 100 Euro im Monat ansteigen lassen. Davon übernimmt die Pflegeversicherung zur Entlastung der Pflegebedürftigen im Durchschnitt rund 40 Euro. Das führt zu Mehrausgaben der Pflegeversicherung von rund 260 Millionen Euro pro Jahr. Die Politik muss endlich Wege aufzeigen, wie sie das Dilemma der steigenden Belastungen für die Pflegebedürftigen lösen will“, forderte Blatt.
Das ganze Interview, in dem es auch um die Pflegesatzverhandlungen, die künftige Finanzierung der Pflegeversicherung und den Zugang zu Pflegeleistungen geht, können Sie über den untenstehenden Link lesen.