Innovationsfonds

Ärztin schiebt Patientin in ein MRT

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) wurden in den §§ 92a und b SGB V die gesetzlichen Regelungen zur Einführung des Innovationsfonds geschaffen. Seit dem Jahr 2016 können innovative Versorgungsformen und anwendungsorientierte Versorgungsforschung mit bis zu 300 Millionen Euro jährlich gefördert werden. Der GKV-Spitzenverband ist Mitglied im Innovationsausschuss, der die Förderentscheidungen fällt.

Seit 2016 fördert der beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) angesiedelte Innovationsausschuss innovative Versorgungsmodelle und anwendungsorientierte Versorgungsforschung mit einem jährlichen Fördervolumen von bis zu 300 Millionen Euro. Auch im vierten Jahr seit Bestehen des Innovationsfonds haben Krankenkassen, Ärzteverbünde, Hochschulkliniken und Allgemeinkrankenhäuser sowie Universitäten und Forschungsinstitute wieder zahlreiche Förderanträge beim Innovationsausschuss eingereicht. Die Bewertung der Projektvorschläge erfolgt nach Maßgabe der Förderkriterien, die in den jeweiligen Förderbekanntmachungen veröffentlicht werden. Ausgewählte Projekte können für eine Dauer von bis zu vier Jahren gefördert werden. In die Entscheidung des Innovationsausschusses gehen auch die Förderempfehlungen des zehnköpfigen Expertenbeirats ein, der seine wissenschaftliche und versorgungspraktische Expertise in den Bewertungsprozess einbringt.

Förderentscheidungen des Jahres 2019

a) Förderbereich „Neue Versorgungsformen“

Am 19. Oktober 2018 veröffentlichte der Innovationsausschuss eine themenspezifische und eine themenoffene Förderbekanntmachung für neue Versorgungsformen. Unter anderem wurden die folgenden beiden Themenfelder ausgeschrieben:

  • „Telemedizinische Kooperationsnetzwerke von stationären und ambulanten Einrichtungen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung“ und
  • „Innovative Modelle zur Stärkung der regionalen Gesundheitsversorgung“

Insgesamt wurden 89 Projektanträge fristgerecht eingereicht, um Versorgungsinnovationen unter Alltagsbedingungen zu testen und nach wissenschaftlichen Standards zu evaluieren. Der Innovationsausschuss hat im Bereich Neue Versorgungsformen 31 innovative Projekte zur Förderung ausgewählt, die mit 167,9 Millionen Euro finanziell gefördert werden.

Aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes ist es sehr erfreulich, dass Krankenkassen wieder bei einem Großteil der ausgewählten Projekte beteiligt sind. Durch viele kassenartenübergreifende Bündnisse sind Mitgliedskassen aller Kassenartenverbände vertreten. In der Regel liegen den Versorgungsmodellen Selektivverträge zugrunde, so dass die jeweiligen Projekte auf einem stabilen rechtlichen Konstrukt basieren und eine Fortsetzung der Versorgungsangebote auch nach Ablauf der Förderung grundsätzlich möglich ist.

Neue Versorgungsformen - Geförderte Projekte im Jahr 2019

  Anzahl Volumen
Weiterentwicklung der sektorenunabhängigen Versorgung 5 27,6 Mio. Euro
Innovative Modelle zur Stärkung der regionalen Gesundheitsversorgung 4 17,4 Mio. Euro
Telemedizinische Kooperationsnetzwerke von stationären und ambulanten Einrichtungen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung 7 41,7 Mio. Euro
Themenoffen 15 81,2 Mio. Euro
Gesamt 31 167,9 Mio. Euro

b) Förderbereich „Versorgungsforschung“

Es wurden insgesamt 197 Projektanträge auf die Förderbekanntmachungen vom 19. Oktober 2018 und 23. November 2018 im Förderbereich Versorgungsforschung eingereicht. Zu den ausgeschriebenen Schwerpunktthemen zählen beispielsweise

  • „Einfluss evidenzbasierter Gesundheitsinformationen für Patientinnen und Patienten“,
  • „Aufbereitung und Verknüpfung von Gesundheitsdaten auf Populationsebene“ und
  • „Barrierefreiheit und Verbesserung der Situation von Menschen mit Assistenzbedarf“.

Der Innovationsausschuss hat die Förderung von 59 Projekten beschlossen. Davon zählen 19 Projekte zum themenspezifischen Bereich, ein Projekt zur Weiterentwicklung und Evaluation der G-BA Richtlinie zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung, vier Projekte zur Evaluation der Psychotherapie-Richtlinie des G-BA und ein Projekt zur Evaluation von Selektivverträgen. Die Projekte werden mit einem Fördervolumen von insgesamt 67,8 Millionen Euro unterstützt.

Aus Krankenkassensicht wird der Versorgungsforschung eine hohe Relevanz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung zugeschrieben, denn über 60 Prozent der zur Förderung ausgewählten Anträge weisen eine Kassenbeteiligung auf.

Versorgungsforschung - Geförderte Projekte im Jahr 2019

  Anzahl Volumen
Stärkung der gesundheitlichen Versorgung in der Pflege und Transparenz über die pflegerische Versorgungsqualität 2 3,0 Mio. Euro
Barrierefreiheit und Verbesserung der Situation von Menschen mit Assistenzbedarf 3 1,7 Mio. Euro
Verknüpfung von Gesundheitsdaten auf Ebene der Patientinnen und Patienten 2 3,3 Mio. Euro
Verknüpfung von Gesundheitsdaten auf Populationsebene 6 6,8 Mio. Euro
Einfluss evidenzbasierter Gesundheitsinformationen für Patientinnen und Patienten 6 7,5 Mio. Euro
Themenoffene Versorgungsforschung 34 40,3 Mio. Euro
Evaluation von Selektivverträgen 1 0,7 Mio. Euro
Evaluation der G-BA-Richtlinie zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung 1 0,8 Mio. Euro
Evaluation der G-BA-Richtlinie des G-BA zur Psychotherapie 4 3,7 Mio. Euro
Gesamt 59 67,8 Mio. Euro

Ausblick auf 2020

Laut Koalitionsvertrag der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD soll der Innovationsfonds mit einem auf 200 Millionen Euro reduzierten jährlichen Förderbudget über das Jahr 2019 hinaus fortgesetzt werden. Die konkrete gesetzliche Ausgestaltung des Innovationsfonds wird aktuell im Kabinettsentwurf des Digitale-Versorgung-Gesetzes entwickelt.

Dokumente und Links