Elektronische Gesundheitskarte (eGK) und Telematikinfrastruktur

Der Online-Austausch von Daten und Informationen ist die Kommunikationsform des 21. Jahrhunderts. Ein einfacher und schneller, aber dennoch sicherer Austausch von Daten ist dabei oberstes Maxim. Nach der erfolgreichen Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) unterstützt der GKV-Spitzenverband konsequent die Einführung nutzbringender Telematikanwendungen und den Aufbau der hierfür notwendigen einrichtungsübergreifenden Kommunikationsinfrastruktur.

Die elektronische Gesundheitskarte mit Lichtbild trägt dazu bei, eine missbräuchliche Inanspruchnahme von Leistungen einzudämmen. Sie ist technisch so vorbereitet, dass nach und nach weitere Anwendungen hinzugefügt werden können. Die elektronische Gesundheitskarte und die sich im Aufbau befindende einrichtungsübergreifenden Kommunikationsinfrastruktur schaffen die Grundlage für einen sicheren Austausch sowohl wichtiger medizinischer als auch administrativer Daten. Dies dient dem Ziel, die Versorgung der Patientinnen und Patienten qualitativ zu verbessern sowie effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten.

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte erfolgte stufenweise ab dem 01. Oktober 2011. Seit dem 01. Januar 2015 gilt ausschließlich die elektronische Gesundheitskarte als Berechtigungsnachweis für die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen.

In Krankenhäusern sowie in Arzt- und Zahnarztpraxen wurden neue Kartenterminals installiert, deren Anschaffung und Installation durch die gesetzlichen Krankenkassen finanziert wurde.

Für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und den Aufbau der Telematikinfrastruktur haben die wichtigsten Institutionen des Gesundheitswesens die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik) beauftragt. In der gematik sind die wichtigen Institutionen des Gesundheitswesens vertreten: die Bundesärztekammer, die Bundeszahnärztekammer, der Deutsche Apothekerverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung.

  • GKV-Spitzenverband: Einführung eines online gestützten Versichertenstammdatenmanagements (VSDM); Die Gültigkeit des Versicherungsverhältnisses sowie die Aktualität der auf der Versichertenkarte gespeicherten Daten können so rasch und tagesaktuell online überprüft und, falls notwendig, unbürokratisch online aktualisiert werden. Zudem Entwicklung von Anwendungen des Versicherten (AdV), mit denen die Versicherten selbst auf ihre Daten zugreifen können
  • Bundesärztekammer: Einführung eines Notfalldatenmanagements (NFDM), mit dem freiwillig notfallrelevante Informationen wie Allergien, Arzneimittelunverträglichkeiten, Schwangerschaften, Implantate etc. auf die elektronische Gesundheitskarte gespeichert werden können
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: adressierte Kommunikation der Leistungserbringer (KOM-LE), mit deren Hilfe beispielsweise elektronische Arztbriefe sicher ausgetauscht werden können
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft: Migration von Gesundheitsdatendiensten am Beispiel der elektronischen Fallakte (GDD/eFA), die einen einrichtungsübergreifenden Austausch von Behandlungsdaten ermöglicht
  • Deutscher Apothekerverband: Entwicklung eines elektronischen Medikationsplans (eMP) als erste Stufe zu einer Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfung (AMTS) zur Überprüfung möglicher Wechselwirkungen von Medikamenten
  • Alle Gesellschafter: Einführung einer elektronischen Patientenakte (ePA), in der Daten über den Versicherten bereitgestellt werden können.

Die Anwendungen helfen, die Abläufe in der Arztpraxis und den Ambulanzen zu optimieren und verbessern den Informationsstand des Arztes zum Behandlungszeitpunkt, was wiederum der Qualität der medizinischen Versorgung zugutekommt.

Für die Einführung der für alle diese Online-Anwendungen notwendigen Telematikinfrastruktur trägt der GKV-Spitzenverband gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die Verantwortung. Ursprünglich war geplant, die Online-Anwendungen aller Projekte zeitgleich einzuführen. Die zum Teil sehr komplexen Projekte hätten die Einführungen der Anwendungen jedoch erheblich verzögert. Zur Reduzierung der Komplexität wurde daher auf Initiative des GKV-Spitzenverbandes eine stufenweise Implementierung der Telematikinfrastruktur von den beteiligten Institutionen beschlossen.

Als erste Anwendung wurde das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) eingeführt. Über den im Hintergrund laufenden Fachdienst VSDM wird online die Aktualität der sogenannten Versichertenstammdaten wie beispielsweise Adressdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte überprüft und bei Bedarf automatisch aktualisiert, ohne dass diese ausgetauscht werden muss.

In einem nächsten Schritt werden mit dem NFDM und dem elektronischen Medikationsplan (eMP) als erste Stufe der AMTS die nächsten Anwendungen vorbereitet. Dazu muss unter anderem der Konnektor von der Industrie um entsprechende Fachmodule weiterentwickelt werden. Mit ersten Tests der neuen Anwendungen in ausgewählten Praxen ist in der zweiten Jahreshälfte 2019 zu rechnen. Auch die Anwendung KOM-LE wird bereits vorbereitet. Mit Hilfe von KOM-LE mit QES werden Ärzte in Zukunft Dokumente wie Abrechnungen oder Arztbriefe eindeutig elektronisch signieren und sicher übermitteln können.

Auch die Anwendung elektronische Patientenakte (ePA) ist bereits in der Vorbereitung. Nach den Vorgaben der gematik lassen die Krankenkassen ePA entwickeln, um diese Ihren Versicherten anbieten zu können. Mit Hilfe seiner ePA, über die der Versicherte selbst die Hoheit hat, soll die Verbesserung und Erleichterung der Versorgung erreicht werden. Durch alternative Authentisierungsverfahren soll auch der Zugang mit mobilen Endgeräten vereinfacht werden. Hierfür sollen ab Ende des Jahres gemäß aktueller Gesetzeslage neue eGK nur noch mit kontaktloser Schnittstelle, sogenannter Near Field Communication (NFC-Technik) ausgeben werden. Diese Technik erleichtert es dem Versicherten auf Wunsch durch ein alternatives Authentifizierungsverfahren mobil auf die eigenen Daten in der TI zuzugreifen.

Die Verbesserung und strenge Einhaltung des Datenschutzes sind wichtige Maxime bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der Telematikinfrastruktur (TI). So befinden sich im Gegensatz zur Krankenversicherungskarte (KVK) sensible Versichertendaten wie der Versicherungsstatus nicht länger auf dem Kartenkörper aufgedruckt, sondern sind nur noch verschlüsselt auf dem Mikrochip der Karte gespeichert. Grundsätzlich wird zwischen Verwaltungsdaten und medizinischen Daten auf der eGK unterschieden. Die sogenannten Verwaltungsdaten sind zum einen Angaben zur Person wie Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Anschrift und zum anderen Angaben zur Krankenversicherung wie Krankenversicherungsnummer, Versichertenstatus und Zuzahlungsstatus. Diese Daten sind für alle Versicherten verpflichtend auf der Karte gespeichert. Sie dienen den Versicherten als Berechtigungsnachweis für die Inanspruchnahme von Leistungen. Grundsätzlich werden medizinische Daten nur auf ausdrücklichen Wunsch des Versicherten gespeichert. Mit Hilfe des Mikrochips werden diese medizinischen Informationen verschlüsselt und können damit von unberechtigten Dritten nicht gelesen werden.

Zweischlüsselprinzip bei der eGK

Bei der Nutzung der eGK gilt das Zwei-Schlüssel-Prinzip: Nur wenn der Arzt seinen elektronischen Heilberufsausweis (HBA) und der Versicherte seine eGK in ein spezielles Kartenterminal gesteckt haben, ist ein Lesen der Verwaltungsdaten auf der Karte überhaupt möglich. Um die medizinischen Daten lesen zu können, muss der Versicherte seine eGK und der Arzt seinen HBA in das Kartenterminal einschieben und beide müssen ihre jeweilige persönliche Geheimzahl (PIN) eingeben. Die Krankenkassen werden ihre Versicherten rechtzeitig über die PIN-Nutzung informieren. Die Daten des Notfalldatensatzes werden im Notfall auch ohne PIN gelesen werden können, da es einem Versicherten im Falle eines medizinischen Notfalles gegebenenfalls nicht mehr möglich ist, seine PIN selbst einzugeben. In jedem Fall wird der Datenzugriff aber immer automatisch protokoliert, so dass der Versicherte auch im Nachhinein sehen kann, wer wann auf welche Daten zugegriffen hat.

Die auf der Gesundheitskarte gespeicherten Daten dürfen nur zum Zwecke der medizinischen Versorgung verwendet werden, Missbrauch wird strafrechtlich verfolgt. Der Versicherte bestimmt durch das Einstecken seiner Karte ins Kartenterminal und die Eingabe seiner PIN, wer wann welche seiner Daten einsehen darf. Zudem werden Lösungen im Rahmen des Projektes Anwendungen des Versicherten (ADV) entwickelt, mit denen der Versicherte je nach Wunsch seine Daten einsehen, ausdrucken, verbergen und löschen kann. Somit hat der Versicherte allein die Hoheit über seine Daten.

In regelmäßigen Abständen bewertet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Verfahren neu, die die Funktionen der Gesundheitskarte absichern. Um ein gleichbleibend hohes Sicherheitsniveau zu halten, werden die eGK dementsprechend stets weiterentwickelt und dann in einer neuen eGK Kartengeneration ausgegeben. Die Nutzung von eGK der ersten Generation wurde vom BSI bis Ende 2018 als sicher eingestuft. Daher wurde die erste Generation der eGK zum 31.12.2018 für ungültig erklärt. Die eGK der zweiten Generation bedient sich einer anders gearteten Verschlüsselungstechnik und wird derzeit vom BSI bis mindestens Ende 2024 als sicher eingestuft. eGK der Generation 2 erkennt man an dem Kürzel „G2“ oder G2.1“, das rechts oben unter dem Schriftzug „Gesundheitskarte“ aufgedruckt ist.

Bei Generationenwechsel werden die Versicherten rechtzeitigt vorab mit eGK der neuen Generation ausgestattet. Die Versicherten sollen bei Erhalt einer neuen eGK nur noch diese nutzen – unabhängig davon, welches Ablaufdatum auf der bisherigen eGK aufgedruckt ist. Damit können Probleme in den Arzt-praxen vermieden werden.

Informationen zur aktuellen Kartengeneration erhalten Sie auch auf www.deine-gesundheitskarte.de.

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