Ob Rücken-, Beckenboden- oder Ganzkörper-Training – die von den gesetzlichen Krankenkassen geförderten Präventionskurse tragen nachhaltig zu gesünderen Gewohnheiten im Alltag bei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Evaluation des BQS Instituts für Qualität & Patientensicherheit. Es hat im Auftrag des GKV-Spitzenverbands 172 Angebote untersucht, die sich gezielt mit Bewegungsgewohnheiten auseinandersetzen.
Die Evaluation zeigt nicht nur eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden, sondern gibt auch Aufschluss über die gesundheitsfördernde Wirkung der Präventionskurse: Bei einem Fünftel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (20,1 Prozent) verbesserten sich Beschwerden im Zusammenhang mit dem Bewegungsapparat nachhaltig. Dazu zählen etwa Kreuz-, Nacken- und Schulterschmerzen oder Muskelverspannungen. Der allgemeine Gesundheitszustand verbesserte sich bei 13,9 Prozent der Teilnehmenden nachhaltig. Zudem konnte eine dauerhafte Erhöhung der körperlichen Aktivität bei den Teilnehmenden nachgewiesen werden.
Die Ergebnisse der Studie machen auch deutlich, dass durch die Kurse überproportional viele Menschen mit bewegungsrelevanten Beschwerden erreicht werden. Bei der Erreichung von sozial benachteiligten Gruppen und von Menschen mit Bewegungsmangel besteht laut dem Evaluationsbericht noch weiterer Handlungsbedarf.
Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes: „Präventionskurse sind ein wichtiger Baustein, um langfristig die eigene Gesundheit zu fördern. Die ärztliche Präventionsempfehlung bietet großes Potenzial, um Menschen zu erreichen, die bislang kaum von diesen Präventionsangeboten profitieren. Klar ist jedoch auch: Gerade die bessere Ansprache von sozial benachteiligten Menschen kann nur gelingen, wenn auch weitere gesellschaftliche Akteure Verantwortung übernehmen. Wer Prävention nur im Sozialgesetzbuch denkt und finanziert, springt viel zu kurz. Es müssen in allen Lebensbereichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen gesundheitsförderlichen Lebensstil ermöglichen und die Gesundheitskompetenz der Menschen stärken.“
Deshalb fordert der GKV-Spitzenverband, dass Gesundheitsförderung und Prävention in allen gesellschaftlichen Bereichen einen höheren Stellenwert bekommen und stets mitgedacht werden. Dazu gehört auch eine Finanzverantwortung, die nicht nur bei den Krankenkassen angesiedelt werden kann. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Maßnahmen müssten bei allen politischen Vorhaben berücksichtigt und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung verlässlich finanziert werden.
Hintergrund Präventionskurse:
Die Krankenkassen bieten ihren Versicherten vielfältige Angebote zu Gesundheitsförderung und Prävention und bezuschussen die Teilnahme. Neben Kursen, die sich gezielt mit Bewegungsgewohnheiten befassen, fördern die Krankenkassen Kurse in den Bereichen Ernährung, Stress- und Ressourcenmanagement sowie Suchtmittelkonsum. Derzeit gibt es mehr als 120.000 zertifizierte Angebote. Im Jahr 2024 wurden bereits mehr als 1,8 Millionen Teilnahmen verzeichnet. Die rechtliche Grundlage für diese Kurse ist der §20 SGB V. Ziel ist es, Krankheiten frühzeitig vorzubeugen und gesundheitsbewusstes Verhalten zu fördern. Präventionskurse finden überwiegend in Gruppen statt, laufen über mehrere Wochen und verbinden Wissen mit praktischen Übungen für den Alltag. Die Kursinhalte beruhen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Um die Qualität und einheitliche Umsetzung der Kurse sicherzustellen, werden sie von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert. In einem gemeinsamen Leitfaden Prävention haben sich die Krankenkassen auf Handlungsfelder und Qualitätskriterien verständigt, die als Grundlage dafür gelten.
Hintergrund Studie:
Das BQS Institut für Qualität & Patientensicherheit untersuchte zwischen Oktober 2023 und November 2025 insgesamt 172 Präventionskurse im Handlungsfeld Bewegung. Es sollte geprüft werden, ob die Angebote ihr Ziel erfüllen und nachhaltig zur Gesundheit beitragen. 1.385 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden zum Start des Kurses befragt. Davon nahmen 428 an weiteren Befragungen zum Ende des Kurses und sechs Monate danach teil. Die Evaluation soll auch Grundlage dafür sein, die Präventionskurse in den weiteren Handlungsfeldern zu untersuchen.