Fokus: Innovationsfonds

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) wurden in den §§ 92a und b SGB V die gesetzlichen Regelungen zur Einführung des Innovationsfonds geschaffen. Ende 2016 wurden erstmals Projekte aus den Bereichen "Neue Versorgungsformen" und "Versorgungsforschung" ausgewählt, die eine Förderung erhalten. Ein Jahr nach dem Start hat der Innovationsfonds die Erwartungen weit übertroffen.

Ärztin schiebt Patientin in ein MRT

Rechtsgrundlage

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) wurden in den §§ 92a und b SGB V die gesetzlichen Regelungen zur Einführung des Innovationsfonds geschaffen. Der Innovationsfonds verfolgt das Ziel, mit innovativen Versorgungsmodellen die Versorgungsqualität zu verbessern und die häufig beklagten Schnittstellenprobleme bei sektorübergreifenden Behandlungen zu minimieren. Außerdem sollen im Rahmen der Versorgungsforschung Projekte gefördert werden, die das Ziel haben, die Versorgung zu verbessern. Für die Projektförderung stehen von 2016 bis einschließlich 2019 jährlich 300 Mio. Euro zur Verfügung. Das Fördervolumen wird zur Hälfte aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds und zur anderen Hälfte direkt von den Krankenkassen finanziert. Die Mittel können zu drei Vierteln für neue Versorgungsformen (225 Mio. Euro jährlich) und zu einem Viertel für Versorgungsforschung (75 Mio. Euro jährlich) eingesetzt werden.

Beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wurde ein neues Gremium, der Innovationsausschuss, eingerichtet, um die Förderung durchzuführen. Der Innovationsausschuss, in dem neben dem GKV-Spitzenverband mit drei Vertretern auch die weiteren Spitzenorganisationen des deutschen Gesundheitswesens und zwei Bundesministerien Sitz und Stimme haben, nahm im Oktober 2015 seine Arbeit auf. Zudem wurde im Januar 2016 ein 10-köpfiger Expertenbeirat berufen, der zusätzlichen wissenschaftlichen und versorgungspraktischen Sachverstand in die Beratungen des Innovationsausschusses einbringt.

Der Innovationsausschuss hat im April/ Mai 2016 erstmals in Förderbekanntmachungen die Schwerpunkte und Kriterien zur Vergabe der Mittel aus dem Innovationsfonds festgelegt.

Förderbereich "Neue Versorgungsformen"

Das ausgeschriebene Themenspektrum im Förderbereich „Neue Versorgungsformen“ wurde weit gefächert aufgesetzt und umfasste beispielsweise die Behandlung vulnerabler Patientengruppen, die Versorgung in ländlichen Regionen und Fragen zur Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit. Auch Projekte zur Telemedizin, die nicht zuletzt mit dem 2016 in Kraft getretenen E-Health-Gesetz neuen Schub erfahren haben, wurden ausgeschrieben. Hierbei hat sich der GKV-Spitzenverband dafür eingesetzt, dass bei E-Health-Lösungen offene Schnittstellen und die Interoperabilität zur gematik gewährleistet sein müssen. Außerdem müssen diese Projekte nach der Projektlaufzeit in die Telematikinfrastruktur überführt werden können.

Von den 220 eingereichten Förderanträgen haben zunächst 29 Projekte einen Zuschlag bekommen. Im Frühjahr 2017 wird über weitere Anträge entschieden.

Geförderte Projekte „Neue Versorgungsformen“ der 1. Förderwelle

  Anzahl Volumen
Themenfeld 1: Versorgungsmodelle in strukturschwachen und ländlichen Gebieten 4 35,6 Mio. Euro
Themenfeld 2: Modellprojekte zur Arzneimitteltherapie sowie Arzneimitteltherapiesicherheit 4 43,4 Mio. Euro
Themenfeld 3: Versorgungsmodelle unter Nutzung von Telemedizin, Telematik und E-Health 6 40,9 Mio. Euro
Themenfeld 4: Versorgungsmodelle für spezielle Patientengruppen 10 65,2 Mio. Euro
Förderanträge aus der themenoffenen Ausschreibung 5 25,7 Mio. Euro
gesamt 29 210,7 Mio. Euro

Förderbereich "Versorgungsforschung"

Im Förderbereich „Versorgungsforschung“ wurden die Antragsteller aufgerufen, u. a. Forschungsvorhaben zur Verbesserung von Instrumenten zur Messung von Lebensqualität, zum Einsatz und zur Verknüpfung von Routinedaten oder zur Verbesserung der Bedarfsgerechtigkeit und/oder Wirtschaftlichkeit der GKV-Versorgung einzureichen. Zwei weitere Förderbekanntmachungen zur Versorgungsforschung betrafen die Evaluation und Auswertung von Selektivverträgen nach §§ 73c und 140a SGB V sowie die Evaluation der Richtlinie des G-BA zur Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV).

Über 300 Forschungsanträge wurden eingereicht. 62 Projekte konnten überzeugen und werden mit rund 70 Mio. Euro aus dem Innovationsfonds finanziert.

Geförderte Projekte „Versorgungsforschung“

  Anzahl Volumen
Themenfeld 1: Weiterentwicklung der Qualitätssicherung und/oder Patientensicherheit in der Versorgung 15 27,5 Mio. Euro
Themenfeld 2: Verbesserung von Instrumenten zur Messung von Lebensqualität für bestimmte Patientengruppen 5 2,9 Mio. Euro
Themenfeld 3: Innovative Konzepte patientenorientierter Pflege unter besonderer Berücksichtigung der Arbeitsteilung und der Schnittstellen sowie der Integration ausländischer anerkannter Pflegefachkräfte in den Versorgungsalltag 2 2,5 Mio. Euro
Themenfeld 4: Verbesserung der Bedarfsgerechtigkeit und/oder Wirtschaftlichkeit der GKV-Versorgung 10 7,7 Mio. Euro
Themenfeld 5: Ursachen, Umfang und Auswirkungen administrativer und bürokratischer Anforderungen im Gesundheitswesen auf die Patientenversorgung 1 0,4 Mio. Euro
Themenfeld 6: Einsatz und Verknüpfung von Routinedaten 12 14,4 Mio. Euro
Förderanträge aus der themenoffenen Ausschreibung 10 8,8 Mio. Euro
Evaluation und Auswertung von Selektivverträgen 4 2,6 Mio. Euro
Evaluation der Richtlinie des G-BA zur SAPV 3 3,7 Mio. Euro
gesamt 62 70,5 Mio. Euro

Positive Zwischenbilanz

Gut ein Jahr nach der Konstituierung des Innovationsausschusses ist festzustellen, dass der Innovationsausschuss die Erwartungen übertroffen hat. Viele Krankenkassen tragen mit neuen Ideen entscheidend zur Verbesserung der Versorgung bei. Nahezu alle Spitzenorganisationen des deutschen Gesundheitswesens haben Vorschläge zur Weiterentwicklung der Versorgung eingebracht, die ein großes Potenzial haben, in die Versorgung aufgenommen zu werden. Die Akteure im deutschen Gesundheitswesen wurden durch den Innovationsfonds aktiviert, träger- und sektorübergreifend die Versorgung der GKV maßgeblich zu verbessern.

Dokumente und Links

Presse-Abo

Melden Sie sich an und erhalten Sie unsere Pressemitteilungen regelmäßig per E-Mail.