Fokus: Innovationsfonds

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) wurden in den §§ 92a und b SGB V die gesetzlichen Regelungen zur Einführung des Innovationsfonds geschaffen. Seit dem Jahr 2016 können innovative Versorgungsformen und anwendungsorientierte Versorgungsforschung mit bis zu 300 Mio. € jährlich gefördert werden. Der GKV-Spitzenverband ist Mitglied im Innovationsausschuss, der die Förderentscheidungen fällt.

Ärztin schiebt Patientin in ein MRT

Seit 2016 fördert der beim Gemeinsamen Bundesausschuss angesiedelte Innovationsausschuss innovative Versorgungsmodelle und anwendungsorientierte Versorgungsforschung mit einem jährlichen Fördervolumen von bis zu 300 Mio. €. Auch im dritten Jahr seit Bestehen des Innovationsfonds haben Krankenkassen, Ärzteverbünde, Hochschulkliniken und Allgemeinkrankenhäuser sowie Universitäten und Forschungsinstitute wieder zahlreiche Förderanträge beim Innovationsausschuss eingereicht. Wie in den Vorjahren wurden diese Projektvorschläge nach Maßgabe der in den jeweiligen Förderbekanntmachungen veröffentlichten Förderkriterien bewertet und entschieden, welche Projekte maximal vier Jahre lang gefördert werden. In die Entscheidungen des Innovationsausschusses - dem u.a. der GKV-Spitzenverband angehört - gingen auch die Förderempfehlungen des zehnköpfigen Expertenbeirats ein, der seine wissenschaftliche und versorgungspraktische Expertise in den Bewertungsprozess eingebracht hat.

Werfen wir einen Blick auf die Förderentscheidungen des Jahres 2018:

a) Förderbereich „Neue Versorgungsformen“

Auf die im Oktober 2017 veröffentlichte Förderbekanntmachung haben 93 Einzelantragsteller bzw. Antragskonsortien ihre Projektvorschläge eingereicht, um Versorgungsinnovationen unter Alltagsbedingungen zu testen und nach wissenschaftlichen Standards evaluieren zu lassen. Dass diese Zahl gegenüber den Vorjahren leicht rückläufig ist, mag damit zusammenhängen, dass der Innovationsausschuss in diesem Jahr auf die Ausschreibung einer themenoffenen Förderbekanntmachung verzichtet hat. Vielmehr hat er mit einer Auswahl spezieller Themenschwerpunkte konkrete Akzente in seiner Förderung setzen wollen. Unter anderem wurde das Themenfeld „sozialleistungsträgerübergreifende Versorgungsmodelle“ ausgeschrieben verbunden mit dem Ziel, bestehende Schnittstellen im Versorgungsablauf, die sich aus den Zuständigkeiten der unterschiedlichen Sozialgesetzbücher ergeben, zu überwinden.

Hier einige Beispiele:

  • In diesem Themenfeld konnte sich beispielsweise ein Förderantrag durchsetzen, der eine strukturierte Form multimodaler Schmerztherapie für Rückenschmerzpatienten erprobt. Nach einem ausführlichen Assessment, welches auch die psychosozialen Risikofaktoren umfasst, setzt die multimodale Therapie in einem Reha-Zentrum auf. Der von der GKV finanzierten stationären Versorgung soll sich friktionsfrei und ohne weitere Untersuchungstermine die von der Deutschen Rentenversicherung getragene berufliche Rehabilitation anschließen. Ziel sind kurze Entscheidungswege über die Trägergrenzen hinweg.
  • Ein anderes Beispiel betrifft die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen der stationären Altenpflege (SGB XI) und dem von der GKV finanzierten Rettungsdienst. Die Projektintervention besteht darin, ein sektorenübergreifendes und integriertes Notfall- und Verfügungsmanagement zu entwickeln und zu evaluieren. Ziel ist, den Pflegekräften einen Entscheidungsalgorithmus an die Hand zu geben, um in definierten Krisensituationen den Patientenwillen der Pflegeheimbewohner bestmöglich berücksichtigen zu können.
  • Schließlich soll auf ein Projekt zur gemeindepsychiatrischen Versorgung schwer psychisch Erkrankter hingewiesen werden. Das Innovative an diesem Versorgungsmodell besteht darin, dass im Rahmen verbindlicher „Verbundvereinbarungen“ die Leistungsangebote der Krankenkassen mit den Leistungen weiterer Sozialleistungsträger, wie z.B. den Sozialpsychiatrischen Diensten, der Jugendhilfe oder den Trägern der Arbeitsförderung bzw. der medizinischen und beruflichen Rehabilitation verknüpft werden. Vorteil ist, dass die im Einzelfall notwendigen Angebote aus dem SGB V, SGB VII und SGB IX "wie aus einer Hand" über die Grenzen der Sozialgesetzbücher hinweg aus einem trägerübergreifenden Netzwerk erbracht werden.

Im Ergebnis konnten sich insgesamt 39 Projekte durchsetzen, die mit gut 196,2 Mio. € gefördert werden. Damit haben wir 2018 erstmalig die Situation, dass der Innovationsausschuss das verfügbare Förderbudget nicht vollständig abgerufen hat. Dies liegt darin begründet, dass auch im dritten Förderjahr gleichbleibend sehr hohe Anforderungen an die Erfüllung der Förderkriterien gelegt werden und auch bei weiterhin verfügbaren Mitteln keine Kompromisse zulasten der Qualität gemacht wurden.

Aus Sicht des GKV-Spitzenverbandes ist es wieder sehr erfreulich, dass an allen ausgewählten Projekten Krankenkassen als Konsortialführer oder Konsortialpartner beteiligt sind. Durch viele kassenartenübergreifende Bündnisse sind Mitgliedskassen aller Kassenartenverbände vertreten. In der Regel liegen den Versorgungsmodellen Selektivverträge zugrunde, so dass die jeweiligen Projekte auf einem stabilen rechtlichen Konstrukt basieren und eine Fortsetzung der Versorgungsangebote auch nach Ablauf der Förderung grundsätzlich möglich ist.

Geförderte Projekte im Jahr 2018

  Anzahl Volumen
Sozialleistungsträgerübergreifende Versorgungsmodelle 9 37,5 Mio. Euro
Krankheitsübergreifende Versorgungsmodelle 2 14,7 Mio. Euro
Versorgungsmodelle für spezifische Krankheiten/Krankheitsgruppen 15 71,1 Mio. Euro
Versorgungsmodelle für vulnerable Gruppen 4 25,2 Mio. Euro
Versorgungsmodelle mit übergreifender und messbarer Ergebnis- und Prozessverantwortung 2 7,4 Mio. Euro
Modelle zur Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen und -prozessen 7 40,4 Mio. Euro
Gesamt 39 196,3 Mio. Euro

b) Förderbereich „Versorgungsforschung“

Es wurden insgesamt 205 Projektanträge auf die Förderbekanntmachungen aus Oktober 2017 zum Förderbereich Versorgungsforschung eingereicht. Zu den ausgeschriebenen Schwerpunktthemen zählten beispielsweise die „Nutzbarkeit lernender Algorithmen“, die „Versorgung von geriatrischen Patienten“, „Behandlungsoptionen bei Resistenzen“ und „Patientensicherheit, Qualitätssicherung und –förderung“.

Die Auswahl des Innovationsausschusses fiel letztlich auf 55 Projekte, davon 53 Projekte aus dem themenspezifischen Bereich sowie zwei Projekte zur Weiterentwicklung und Evaluation der G-BA Richtlinie zum Hautkrebsscreening. Die Projekte werden mit einem Fördervolumen von insgesamt 70,0 Mio. € unterstützt.

Hier einige Beispiele der geförderten Projekte:

  • Ein Projekt befasst sich mit dem Nutzen horizontaler Maßnahmen zur Prävention multiresistenter Erreger in Krankenhäusern. Diese zielen auf die Gesamtheit möglicher Erreger ab und umfassen u.a. eine intensivierte Händedesinfektion, kontinuierliche Weiterbildungsmaßnahmen des Krankenhauspersonals, Beratung von Ärzten zum Umgang mit Antibiotika und eine tägliche Dekolonisation aller Patienten mit Antiseptika. Diese Maßnahmen werden im Projekt den gängigen vertikalen Präventionsstrategien gegenübergestellt, die sich auf einzelne Erreger beziehen (MRSA-Aufnahmescreening und Isolierung betroffener Patienten).
  • Ein anderes Beispiel-Projekt entwickelt ein Konzept für eine sektorenübergreifende geriatrische Bedarfsplanung, die u.a. auf regionalen Erreichbarkeiten und Übergangswahrscheinlichkeiten basiert. Sowohl Fach- und Hausarztpraxen als auch Pflegeheime und –dienste, geriatrische Zentren an Krankenhäusern, Hospize und Rehabilitationseinrichtungen sowie weitere Versorger werden in das Modell zur Kapazitäts- und Verteilungsplanung eingeschlossen.
  • Ein weiteres gefördertes Projekt führt eine Machbarkeitsstudie zur Eignung verschiedener primärer und sekundärer Datenquellen zur Verbesserung der Erfassung unerwünschter Arzneimittelnebenwirkungen durch. Dies wird beispielhaft an der Erkrankung Multiple Sklerose getestet. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer sinnvollen Ergänzung zum Spontanmeldesystem für Ärzte.

Die mit rund 63 Prozent nach wie vor hohe Beteiligung von Krankenkassen als Konsortialführer oder -partner an den zur Förderung ausgewählten Projekten verdeutlicht die Relevanz, die der Versorgungsforschung aus Krankenkassensicht zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung zugeschrieben wird.

Geförderte Projekte im Jahr 2018

  Anzahl Volumen
Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen und/oder Multimorbidität 4 4,4 Mio. Euro
Versorgung von geriatrischen Patienten 5 5,3 Mio. Euro
Versorgung von Menschen mit Behinderungen 2 2,7 Mio. Euro
Zusammenarbeit von ärztlichem und nicht-ärztlichem Gesundheitspersonal 2 3,0 Mio. Euro
Modelle zur Stärkung der Krankenpflege 1 1,2 Mio. Euro
Nutzbarkeit lernender Algorithmen 3 3,1 Mio. Euro
Behandlungsoptionen bei Resistenzen 3 6,0 Mio. Euro
Verbesserung der Patientensicherheit 7 6,7 Mio. Euro
Nachhaltige Qualitätsförderung 3 2,5 Mio. Euro
Bedarfsgerechte Versorgung 18 27,8 Mio.Euro
Transfer neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, Diffusion des medizinischen Fortschritts in die Regelversorgung 2 3,5 Mio. Euro
Messung der Ergebnisqualität 3 3,1 Mio. Euro
Evaluation der G-BA-Richtlinie zum Hautkrebsscreening 2 0,9 Mio. Euro
Gesamt 55 70,0 Mio. Euro

Ausblick auf 2019

Nach aktuell geltendem Recht endet der Innovationsfonds zum Ablauf des Jahres 2019. Der Innovationsausschuss hat für dieses vierte Jahr wieder neue Förderbekanntmachungen ausgeschrieben, die auf der Homepage des Innovationsfonds abrufbar sind. Förderanträge sind bis zum 19.02. bzw. bis zum 19.03.2019 einzureichen.

Es ist zu erwarten, dass dies nicht die letzten Ausschreibungen sein werden. Denn die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD haben bereits im Koalitionsvertrag vereinbart, dass der Innovationsfonds mit einem auf 200 Mio. € reduzierten jährlichen Förderbudget über das Jahr 2019 hinaus fortgesetzt werden soll. Die konkrete gesetzliche Ausgestaltung des Innovationsfonds steht noch aus und wird sicherlich auch von den Ergebnissen der vom Bundesministerium für Gesundheit vergebenen Evaluation abhängen, deren Ergebnisse dem Deutschen Bundestag bis Ende März 2019 zugehen werden. Der GKV-Spitzenverband wird seine Position zur Zukunft des Innovationsfonds entwickeln und in die politische Debatte einbringen.

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