Meldung vom 29.12.2020

Kliniken geraten durch Corona-Pandemie in finanzielle Schieflage - Spahn sichert Unterstützung zu

Berlin (AFP) - Die deutschen Krankenhäuser sind wegen der Corona-Krise in eine finanzielle Schieflage geraten: Fast die Hälfte der Kliniken erwartet für 2020 einen Verlust, bei den großen Häusern sind es sogar 70 Prozent. Das geht aus dem am Dienstag erschienenen Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht sogar die Gehaltszahlungen für die Beschäftigten in Gefahr. Allerdings gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Garantie für die Weiterzahlung ab. Ein Grund für die schlechte wirtschaftliche Lage ist nach Angaben des DKI unter anderem die Verschiebung von Operationen wegen der Corona-Pandemie, wodurch die Kliniken weniger Erlöse erzielten. Nie zuvor hätten sich so viele Krankenhäuser vor wirtschaftlichen Problemen gesehen wie in diesem Jahr, sagte Gerald Gaß, der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dem "Tagesspiegel". Gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) warnte er: "Wenn die Bundesregierung die Hilfen nicht deutlich erhöht, werden flächendeckend Kliniken bereits im ersten Quartal 2021 nicht mehr die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen können." Dazu sagte Spahn den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Mittwoch: "Wir wollen und werden die Liquidität der Krankenhäuser in der Krise sichern - darauf können sich die Beschäftigten verlassen." Bund und Länder würden Anfang Januar über weitere Maßnahmen beraten. Für das Krankenhaus-Barometer wurde eine repräsentative Stichprobe von 438 Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten zwischen Ende Juni und Ende August - also vor Beginn der zweiten Pandemiewelle - befragt. Fast alle von ihnen, 99 Prozent, gaben an, im Frühling nicht dringende Operationen verschoben zu haben. Besonders häufig wurden Hüft-OPs sowie Eingriffe an Gelenkknorpeln und Meniskus verschoben. Aber auch im Sommer hatten die Kliniken laut der Studie noch Probleme mit den OPs. Zwei Drittel erklärten, dass Patienten aus Angst vor Ansteckung auf Eingriffe verzichteten. Die Hälfte verzeichnete zeitliche Verzögerungen beim Ablauf von Operationen wegen gestiegener Anforderungen an die Hygiene. Bei ebenfalls der Hälfte der Kliniken waren die OPs im Sommer nicht normal ausgelastet, weil sie Betten für Covid-19-Patienten freihielten. Insgesamt beurteilten nur noch 18 Prozent der befragten Häuser ihre wirtschaftliche Lage als gut, 45 Prozent nannten sie "unbefriedigend". Hinzu kommt das Problem des Fachkräftemangels: Fast jede zweite Klinik konnte offene Stellen in Operationssälen nicht besetzen. Bundesweit sind demnach hochgerechnet 3000 Vollzeitstellen im nicht-ärztlichen OP-Dienst und Anästhesiedienst vakant. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies darauf hin, dass in den vergangenen drei Monaten die Zahl der verfügbaren Intensivbetten von rund 30.000 auf 24.000 abgenommen habe. Dies lasse sich nicht allein durch die unbesetzten Stellen erklären, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch zu AFP. Er forderte die Krankenhausgesellschaft zur Aufklärung auf. Auch im Bereich der Intensivpflege wird sich der Personalmangel wohl noch verschärfen, glaubt der Intensivmediziner Uwe Janssens, der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Er befürchte, "dass wir Anfang kommenden Jahres Leute haben werden, die unter der Last zusammenbrechen", sagte er dem ZDF-"Morgenmagazin" am Dienstag. Linken-Chef Bernd Riexinger nannte es "absurd", dass Krankenhäuser in einer Pandemie pleite gehen könnten. Spahn müsse sofort handeln und das System der Fallkostenpauschale aussetzen, erklärte er.