Meldung vom 08.02.2019

Packungssiegel und Barcode für mehr Medikamentensicherheit

Berlin (AFP) - Um Patienten vor Produktfälschungen zu schützen, bekommen verschreibungspflichtige Medikamentenpackungen zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Das System geht am Samstag an den Start. Allerdings kommen die Arzneimittel mit der neuen Kennzeichnung erst nach und nach in den Handel. Hintergrund der Neuerung ist eine EU-Richtlinie. Was ist das Problem? Allein in deutschen Apotheken gehen pro Jahr etwa 750 Millionen verschreibungspflichtige Medikamente über die Ladentheken. Dieser große Markt zieht auch Fälscher an. Für Patienten können die gepanschten Mittel gefährlich werden: Entweder, sie enthalten keine oder zu wenige Wirkstoffe, sodass sie nicht helfen. Oder sie wurden mit schädlichen Substanzen hergestellt, die die Gesundheit gefährden können. Mit der neuen EU-Richtlinie und dem darauf beruhenden deutschen System Securpharm sollen Fälschungen besser erkannt werden können. Wie funktioniert Securpharm? Rezeptpflichtige Arzneimittel bekommen zwei zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Zum einen erhält jede Packung einen Erstöffnungsschutz: Ein Siegel oder eine Perforation sollen sicherstellen, dass eine Verpackung, die bereits offen war, deutlich zu erkennen ist. So soll verhindert werden, dass eine Originalpackung gefälschte Pillen enthält. Zum anderen bekommt jede Packung eine individuelle Nummer. Sie wird auch in einem Barcode abgebildet, der in der Apotheke gescannt wird, bevor der Patient das Medikament bekommt. Das Terminal in der Apotheke meldet dem System, dass die Packung mit dieser Nummer nun herausgegeben wird. Kommt es zu Unstimmigkeiten, etwa weil eine Nummer zweimal gebucht werden soll, bekommt der Apotheker dies angezeigt. Der Patient erhält dann im Zweifel eine andere Packung. Wo und wann kommen die neuen Packungen in den Handel? An das System Securpharm sind die fast 20.000 deutschen Apotheken angeschlossen, außerdem Krankenhausapotheken, Pharmafirmen, Großhändler und weitere Unternehmen der Gesundheitsbranche. Sie sind mit der nötigen Hard- und Software ausgestattet, damit das System am Samstag starten kann. Allerdings können bereits produzierte Medikamente noch bis zu ihrem Verfallsdatum abgegeben und verwendet werden. Einige Jahre lang werden also auch noch Packungen ohne die neuen Sicherheitsmerkmale im Umlauf sein. Die Neuerung ist Teil eines europaweiten Schutzsystems der legalen Lieferkette gegen gefälschte Arzneimittel. Nach Angaben von Securpharm gehen jetzt in 26 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein die neuen Sicherheitssysteme in Betrieb. Bis 2025 kommen Italien und Griechenland dazu. Welche Probleme drohen? Möglich sind etwa Fehlarme - eine Packung wird als problematisch eingestuft, obwohl sie das gar nicht ist. Die Apotheke muss die Packung zurückhalten und möglichst schnell Ersatz besorgen. Das ist unter Umständen aufwändig und kann zu Belastungen für die Patienten führen. Auch Bedienfehler des Apothekenpersonals sind möglich. Hinzu kommt, dass das neue System nur für die legalen Lieferketten gilt. Dort gelten Medikamentenfälschungen als vergleichsweise selten. Unerlaubte Vertriebswege - etwa über nicht lizenzierte Händler im Internet - werden durch das System nicht erfasst.