Meldung vom 07.11.2018

Noch immer keine flächendeckenden klinischen Krebsregister

Berlin (AFP) - Der flächendeckende Aufbau der klinischen Krebsregister in den Bundesländern verzögert sich weiter. "Obwohl im Vergleich zu 2016 deutliche Fortschritte zu erkennen sind, werden bis Ende dieses Jahres voraussichtlich nur fünf der insgesamt 18 Register voll arbeitsfähig sein", sagte Doris Pfeiffer, Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), der Nachrichtenagentur AFP. Probleme gebe es weiter bei der Datenerfassung. "Auch der übergreifende Datenaustausch zwischen den Registern funktioniert noch nicht flächendeckend", sagte Pfeiffer. Ursache dafür sind zum Teil technische Schwierigkeiten, wie aus einem aktuellen Gutachten des Beratungsunternehmens Prognos für den Kassenverband hervorgeht, das AFP vorlag. Es fehlt demnach teilweise aber auch an Personal, um etwa alle Daten zu Neuerkrankungen zu erfassen. Pfeiffer wies zudem darauf hin, dass in einigen Ländern die gesetzlichen Voraussetzungen für die Krebsregister erst spät geschaffen worden seien. Der Aufbau der bundesweiten klinischen Krebsregister ist im sogenannten Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz geregelt, das im April 2013 in Kraft trat. Sie sollen künftig Daten flächendeckend und nach einheitlichen Kriterien erfassen. Experten erhoffen sich davon bessere Erkenntnisse zur Versorgung von Krebspatienten. Zum einen sollen die Register die Daten patientenbezogen zusammenfassen und an die behandelnden Ärzte übermitteln oder Auswertungen für Qualitätskonferenzen bereitstellen. So sollen sich die behandelnden Ärzte künftig über den Erfolg ihrer Behandlung informieren und austauschen können. Zum anderen wird beobachtet, welchen Einfluss einzelne Therapien auf die Prognose und die Lebensqualität der Betroffenen haben. Auch Daten zum Überleben der Patienten werden gesammelt. Dadurch soll die bestmögliche Therapie herausgefiltert werden. Der Gesetzgeber setzte ursprünglich eine Frist bis Ende 2017, um die Krebsregister voll arbeitsfähig zu machen. Bis Ende 2018 wurde den Ländern noch eine einjährige Frist zur Nachbesserung eingeräumt. Dem Prognos-Gutachten zufolge erfüllte bis Ende 2017 keines der Krebsregister alle Kriterien. Länder wie Bayern, Bremen und Sachsen-Anhalt hatten mit Stand Ende 2017 noch "erheblichen Nachholbedarf", sagte Pfeiffer. Bis Ende 2018 sei aber mit "einer deutlichen Steigerung in allen Registern zu rechnen", betonte die GKV-Chefin. In Baden-Württemberg, Berlin und Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und in Rheinland-Pfalz werden die Krebsregister bis dahin voraussichtlich komplett aufgebaut sein. Der Kassen-Verband unterstützt angesichts der noch bestehenden Lücken Pläne der Bundesregierung, die Frist für die Länder erneut um ein Jahr bis Ende 2019 zu verlängern. "Die Krebspatienten erhalten trotz der Verzögerungen natürlich eine Behandlung auf hohem Niveau", sagte Pfeiffer. Die von den Krebsregistern zu erwartenden zusätzlichen Erkenntnisse für die Verbesserung der Versorgung "kommen aber später". "Je mehr Daten in den Registern zusammengespielt werden, umso besser können die Erkenntnisse und Empfehlungen für die künftige Behandlung genutzt werden." Die klinischen Krebsregister sind nicht zu verwechseln mit den sogenannten epidemiologischen Krebsregistern, die es bereits seit längerem in allen Bundesländern gibt. Sie analysieren unter anderem die Verteilung von Krebserkrankungen nach Alter, Geschlecht und Wohnort der Patienten.