Meldung vom 12.10.2017

Durchschnittlicher Zusatzbeitrag könnte 2018 leicht sinken

Bonn (AFP) - Der durchschnittliche Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) könnte im kommenden Jahr leicht sinken. Bundesgesundheitsministerium und Bundesversicherungsamt gehen davon aus, dass der Zusatzbeitrag 2018 von derzeit 1,1 Prozent um 0,1 Prozentpunkte verringert werden kann, wie der zuständige Schätzerkreis am Donnerstag in Bonn mitteilte. Die gesetzlichen Krankenkassen erwarten hingegen höhere Ausgaben und lehnen daher eine Senkung des Zusatzbeitrags ab. Im Schätzerkreis sitzen Experten des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesversicherungsamts und des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zusammen, um jedes Jahr die Finanzentwicklung im Gesundheitsbereich zu berechnen. Bei den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung konnten sie sich für das laufende und das kommende Jahr nicht auf eine einheitliche Prognose einigen. Nur bei den Einnahmen des Gesundheitsfonds sei Einvernehmen erzielt worden. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wiederum ergibt sich aus der Differenz der vom Schätzerkreis prognostizierten Einnahmen und Ausgaben der GKV. Letztlich legt das Gesundheitsministerium den durchschnittlichen Zusatzbeitrag fest und veröffentlicht diesen bis zum 1. November im Bundesanzeiger. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sieht die gesetzliche Krankenversicherung "finanziell weiterhin auf einem ausgesprochen guten Kurs". Die Krankenkassen hätten "weiterhin gute Spielräume, ihre Versicherten mit hochwertigen Leistungen bei attraktiven Beiträgen zu unterstützen", erklärte er. Auch die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, spricht von einer insgesamt guten Finanzsituation der Kassen aufgrund der brummenden Konjunktur, der guten Arbeitsmarktlage und relativ hoher Tariflohnsteigerungen. "Allerdings dürfen die guten Zahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Rekordeinnahmen auch so hohe Ausgaben wie noch nie gegenüberstehen", warnte sie. Es wäre daher falsch, den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz abzusenken. Auch die Betriebskrankenkassen (BKK) warnten, eine Absenkung wäre "kein positives Zeichen für ein solides finanzielles Wirtschaften in der gesetzlichen Krankenversicherung". Vielen Versicherten würden finanzielle Spielräume zur Beitragssenkung vorgegaukelt, die in der Praxis bei den meisten Krankenkassen nicht vorhanden seien, kritisierte Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbands. Viele Versicherte und Unternehmen stünden eher vor Beitragssatzsteigerungen, weil insbesondere die Kosten für neue Arzneimittel und die Krankenhausausgaben überproportional steigen. Knieps warnte daher vor einem "Beitragssatz-Jojo". Für 2017 erwarten die Experten im Schätzerkreis den Angaben zufolge einvernehmlich Einnahmen für den Gesundheitsfonds in Höhe von 216 Milliarden Euro. Bei den Ausgaben der Krankenkassen gingen das Gesundheitsministerium und das Bundesversicherungsamt aber von 226,4 Milliarden Euro aus - die Krankenkassen dagegen von 227,2 Milliarden. Ähnliche Differenzen zeigten sich für 2018. Während für den Gesundheitsfonds Einnahmen in Höhe von 222,2 Milliarden Euro erwartet werden, konnten sich die Experten bei den Ausgaben nicht auf eine gemeinsame Zahl festlegen. Die voraussichtlichen Ausgaben der Krankenkassen schätzen Gesundheitsministerium und Bundesversicherungsamt auf 236,2 Milliarden Euro, die Krankenkassen gehen von 237,3 Milliarden aus.